Rechenschaftsbericht November

Der November war ein recht erreignisreicher Monat, obwohl ich nicht am NaNo mitgeschrieben habe, hatte ich eine ganze Menge zu tun. Es gab das übliche, letzten Endes belanglose Auf und Ab. Ich bin für einen Job an der Uni übergangen worden, der mir erlaubt hätte, meine Abschlussarbeit ohne Geldnöte zu verfassen. Geld für Bücher wäre dabei auch noch abgefallen.

Dafür habe ich meine Masterthesis angefangen. Nach einigen anfänglichen Schwierigkeiten und einigen Wochen des Hin und Her ist mir das Projekt von den DissertantInnen zerrissen worden. Das heißt meine erste Struktur, mein Inhaltsverzeichnis und meine Kernfrage ist mir zerrissen worden. Das Thema selbst und die zugrundeliegende Idee stieß auf großes Interesse bei den allermeisten. Abgesehen von einer Dame, die ich in liebender Verachtung „die Eisenhexe“ nennen möchte. Sie fand mich – und mein Thema – blutrünstig und unmoralisch. Das Wort „degeneriert“ wurde benutzt, aber wir wollen nicht kleinlich sein

Geplanter Schlusstermin ist der 31. März 2018. Mit der ersten Fassung will ich – jedenfalls im gröbsten – schon im Dezember fertig werden. Ich denke das ist durchaus realistisch. Immerhin kenne ich das Thema und Material gut. Die Recherche der theorien wird zwar einige Zeit in Anspruch nehmen, aber das Schreiben selbst im Großen und Ganzen sollte mir zügig von der Hand gehen. Zumal jetzt, wo ich ein deutlich konkreteres Projekt vor Augen habe.

Das Thema? „Ethische und kulturelle Implikationen in der Ästhetik des Horrors“. Etwas sperrig, gebe ich ja zu. Mein Arbeitstitel ist „Philophobie“, das bringt die eigentliche These aber nicht klar auf den Punkt. Diese ist nämlich, dass Horrorkunst (Filme, Geschichten, Spiele, Musik, Bilder usw. usf.) erstens ein abgeschlossenes ästhetisches System bilden, das von einem bloßen Genre wie etwa Krimi, Historie oder Abenteuer zu unterscheiden ist. Zweitens dass dieses ästhetische System gewisse Implikationen mit sich trägt. Da eben der Horror ein stark negatives Gefühl ist, das hauptsächlich vom Abnormalen hervor gerufen wird (psycho-sexuelle Devianz ala Norman Bates, kulturell-biologische ala Dracula, existentielle ala Frankensteins Monster usw. usf.), wird Normalität im Horror negativ, d.h. durch die Affirmation nicht dieses Fremde zu sein, konstruiert.

Drittens schließlich, dass diese Konstruktion nicht reaktionär und fremdenfeindlich ist, sondern dieses Fremde auf eine gewisse Weise ermächtigt und zur Reflexion über die so konstruierte Normalität anregt.

Horror und Ekel, so die These, bedrohen nicht nur ästhetische Normen – sondern auch kulturelle.

Etwas schwammig, aber ich habe ja noch gut einhundert Seiten Zeit, die Details auszuarbeiten.

Ich habe darüber hinaus eine handvoll Bücher gelesen. „Flowers for Algernon“, ein kurzer Tagebuchroman über einen Idioten, der künstlich zum Genie gemacht wird. Eine Geschichte über die Bildung – und Zerstörung – des Charakters mehr als alles andere. Sehr rührend, sehr intim, bisweilen erschreckend esoterisch.

Zuletzt las ich „Sword in the Stone“, ein Klassiker der Fantasy von T.H.White. „Sword in the Stone“ ist ein amüsanter, anachronistischer Versuch der arthurian Legend. Das erste Buch ist relativ belanglos, würde ich meinen, ein sehr schöner Stil, aber ein etwas kindliches Thema über die Wichtigkeit von Freundschaft, Bescheidenheit und Bildung. Ich freue mich auf die nächsten drei Bände, die ich mir für den Dezember vorgenommen habe.

Als letztes wäre da Edward Saids „Orientalism“ zu nennen. Durchaus interessant, wenn auch etwas widerspenstig. Er beschäftigt sich ausführlich damit, wie die Konzeption und das Studium eines fiktiven Kulturraumes – des „Orients“, der alles vom Maghreb bis nach Japan einschließt – diese Fiktion in eine politische und akademische Realität verwandelt. Wie sich unterbewusste Konzeptionen und Vorurteile auch in der Geisteswissenschaft fortsetzen, wenn sie nicht reflektiert werden.

Man kann sehen, an welchen Stellen seine Argumentation einknickt und der theoretische Unterbau ist auf jeden Fall zu schwach ausgebaut. Stellenweise liest es sich mehr wie eine Geschichte des Orientalismus – im Stil orientalistischer Geschichte selbst. Said evoziert Bilder von Oasen, Bazaaren und den akademischen Abenteurern des achtzehnten Jahrhunderts, die selbst Indiana Jones in den Schatten stellen könnten. Es dürfte nicht unbedingt die Absicht einer Kritik des Orientalismus gewesen sein, Lust auf noch mehr Orientalismus zu machen. Alles in allem aber ein interessantes Buch, wenn auch ein etwas widerspenstiges.

Meine eigene Schreiberei geht gut voran, auch wenn ich mich weiterhin weigere, irgendetwas davon auf dem Blog zu posten. Hauptsächlich, weil ich bei jedem neuen Durchgang unendlich viele Fehler finde.

Aber ich habe den ersten Entwurf meines NaNo-Ersatzes fertig geschrieben. „Hellseher“ hat runde 100 Seiten und einen netten Aufhänger, wird aber einige Überarbeitungen brauchen. Ich habe einige Kommentare zu anderen, deutlich kürzeren, Geschichten von mir eingeholt und beabsichtige im Dezember diese alle bis zur endgültigen Fassung zu bringen.

Das nennenswerteste davon dürfte „Schattenlos“ sein. Eine Geschichte über einen Fotographen, der etwas zu aufdringlich auf sein Image achtet – und dafür bestraft wird. Meine zweitlängste Geschichte mit um die 20.000 Wörtern. Der letzte Feinschliff muss noch einmal getan werden, aber das sollte in den nächsten Tagen noch geschehen.

Mit November und Oktober zusammen genommen komme ich damit auf runde 40.000 Wörter, oder etwas über 150 Normseiten. Dafür, dass ich einige Wochenenden habe ausfallen lassen, finde ich das gar nicht schlecht.

Ein anständiges Tempo, das ich recht bequem einhalten kann, wenn ich ordentlich plane. Und Pläne für Geschichten habe ich mittlerweile genug.

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