Rechenschaft für Juli 2017

Einen wundervollen August, dunkler Abgrund der Gleichgültigkeit,

Ich habe in den letzten Tagen hin und wieder darüber nachgedacht, was ich in den letzten Wochen und Monaten eigentlich getan habe. Und muss sagen: Ein wenig bin ich schon von mir enttäuscht.

Mein Projekt, das ich im November 2015 begonnen habe, ruht. Ich habe seit April keine neuen Kapitel des WebRomans hochgeladen. Schlimmer: Im Mai habe ich gerade einmal an sechs Tagen daran geschrieben. In den Monaten darauf habe ich zwar immerhin das Schreiben, Überarbeiten und überlegen wieder aufgenommen – aber trotzdem nichts veröffentlicht.

Ich könnte Ausreden dafür anführen, aber das würde nichts ändern. Statt mich also in Ausflüchten zu verlieren, will ich produktiv an die Sache heran gehen. Was habe ich im Juli getan, um meine alte Schreibroutine aufzunehmen und sogar zu verbessern?

Das Studium und einige private Angelegenheiten – hauptsächlich Geldsorgen – haben mich mehr auf Trab gehalten, als ich für möglich gehalten habe. Knappe 15 Seiten philosophischer Essays rund um die Probleme der Interkulturalität und nur ganz am Rande der Ästhetik wollten geschrieben, einige Aufsätze von Heidegger gelesen werden. Nichts davon hat wirklich mit dem Thema dieses Blogs zu tun, aber alles hat die erste Woche des Julis völlig in Beschlag genommen. Mea Culpa.

Die zweite Monatshälfte lief dafür deutlich zielgerichteter. Nach einer knappen Woche, in der ich lediglich den Blog aus dem Internet entfernt und über mein weiteres Vorgehen nachgedacht habe, war ich ziemlich aktiv.

Mein Konsum von Fiction hat diesen Monat leider sehr gelitten – einseitige und wenig anregende Nahrung.

Ich habe einen interessanten Gruselfilm gesehen – „Contracted“, 2013 von Eric England –, der zwar ein paar nette Stellen hatte, insgesamt sein Ziel aber verfehlt und sich zu sehr auf Body Horror verlässt.

Es geht um ‘Sam’, die mit einer STD angesteckt wird und sich daraufhin langsam in einen Zombie verwandelt bzw. bei lebendigem Leib verfault. Eine nette Prämisse, die leider viel zu sehr auf den körperlichen Zerfall setzt und völlig vernachlässigt, aus seinen Opfern Menschen zu machen. Es sind keine Leiber aus Fleisch und Blut, die von anderen Menschen berührt werden, die in dem Film vorgestellt werden. Sondern eine Reihe von Puppen, die sich uns völlig entziehen und unglaubwürdig werden. Was mich einigermaßen angeregt hat, ein paar Ideen zum Körper im Horror zu schreiben. Mal sehen, ob ich das in einen Blogpost verwandeln kann.

Neben einem Futurama-Binge – viel, viel zu lange her, dass ich die Serie in Ausschnitten gesehen habe – habe ich mich Stephen Kings „Danse Macabre“ gewidmet. Ein amüsantes Büchlein und eine Fundgrube für interessante Horrorliteratur – als ästhetische Analyse für Horror aber weitgehend wertlos. King macht begriffliche Fehler, die den literaturtheoretischen Wert des Buchs schmälern. Insbesondere seine Verwendung des Begriffpaars Dionysisch-Apollinisch (nebenbei eine ästhetische Begrifflichkeit, die maßgeblich von Nietzsche geprägt worden ist) ist zu einfach und entspringt aus einem stark konservativen Bild von Kunst und Horror im speziellen. Die Feinheiten verdienen aber eigentlich einen eigenen Artikel und ich hatte durchaus Spaß bei der Lektüre.

Ich würde damit nur nicht bei einer ernsthaften Diskussion über die Ästhetik des Gruselns auftauchen.

Am wichtigsten aber waren meine Erfolge die letzten zwei Wochen:

Ich habe eine kleine Novelle geplottet und geschrieben – und damit auch einige persönliche Rekorde gebrochen. In knapp sechs Tagen reinen Schreibens um die 13000 Wörter, Höchstgeschwindigkeiten von zwei bis drei Seiten in der Stunde. Das alles, weil ich endlich meinen Schreibprozess verbessert habe. Die Details spielen keine Rolle, aber ich plotte jetzt im Endeffekt mehr und habe – dank der einen Woche Recherche und Vorarbeit – ein besseres Gefühl für das Setting und die Charaktere. Kein hervorragendes, aber ein funktionierendes. Ich hinterfrage den Plot also nicht dauernd beim Schreiben und war deswegen in der Lage ohne allzu große Anstrengungen ein NaNo Tempo vorzulegen. Was mich recht zuversichtlich stimmt, dass ich mit etwas mehr Disziplin und Regelmäßigkeit sehr bald schon meinen alten Rhythmus wieder finden werde – und die Qualität der Stücke stark verbessern kann.

Die Novelle befindet sich derzeit in Überarbeitung. Wann genau ich sie in den Abgrund Internet werfe, weiß ich noch nicht. Aber ich rechne mit Ende August oder Anfang September. Mein Plan ist es, mir während dieser Wartezeit endlich einen Vorsprung zu erschreiben und nicht mehr jede Woche den Plot zu improvisieren, wie ich es bisher getan habe. Wenn alles gut läuft, habe ich dann einen Monat oder mehr „Vorsprung“ vor der Veröffentlichung, um an einer vollständig neuen Geschichte zu arbeiten, zu recherchieren und sie zu überarbeiten. Das sollte der gesamten Qualität und Struktur sehr dienlich sein.

Nebenbei steht im August noch eine letzte Hausarbeit an, die unbedingt eine 1 werden muss, aber bei meinem momentanen Workload sollte das nicht mit meinen literarischen Verbrechen kollidieren.

Als Lektüre steht neben einiger Recherche für diese Hausarbeit – knapp 450 Seiten aus diversen Büchern und Aufsätzen zur Ästhetik – auch die Lektüre von „Turn of the Screw“ von Henry James und „Haunting of Hill House“ von Shirley Jackson an.

Gehen wir es an.

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