Infestatio – Teil II: Die Reize des Verbotenen

Ich gestand recht freimütig, dass ich Verbrechen begangen habe. Störung der Totenruhe, wie sie es nennen, Einbruch, Landfriedensbruch, Vandalismus. Nennen Sie es, wie Sie es wollen – deswegen bin ich nicht hier. Ich habe Karl getötet. Ja, ich habe ihm den Schädel eingeschlagen vor vielleicht drei Stunden. Deshalb bin ich hier und rede mit Ihnen. […]

Infestatio – Teil I: Kopf verloren

Auszug aus dem Protokoll zur Vernahme von Friedrich Andersen Sie müssen mir glauben, hören Sie? Sehen sie das Blut an meinen Händen, auf meiner Kleidung? Ich bin es, den sie suchen und ich liefere mich Ihnen aus für meine gerechte Strafe. Nein, nicht wegen dieses verdammten Schädels. Ich habe es Ihnen schon einmal gesagt: Mir […]

Das Bild eines Lebens – Teil III: Die Stimme meiner Träume

An diesem Tag habe ich nicht viel geschlafen. Gar nicht eigentlich, wie die nächsten auch nicht. Aufregung war nicht der Grund gewesen, Nervosität auch nicht. Ich war todmüde nach dieser Nacht, ein großer Teil der Anspannung war schon während der Arbeit von mir abgefallen. Als wäre ich…als wäre ich völlig in meiner Arbeit aufgegangen, nicht […]

Das Bild eines Lebens – Teil II: Alte Erinnerungen

Ich tätowierte Franky also noch am selben Abend. So hieß der Knabe übrigens. Hatte sich jedenfalls so vorgestellt. Seltsamer Name für so einen Typen, dachte ich. Passte nicht zu dem Vertrag, mit dem er ankam, den ganzen Regeln. Zehn Seiten juristischen Geschwätz, das ich nie verstanden habe, egal wie oft ich ihn später angesehen habe. […]

Das Bild eines Lebens – Teil I: Der Bettler

Warum ich trinke? Damit meine Hände zu zittrig sind, um die Nadel noch zu führen. Damit ich sie nicht mehr halten kann und nie wieder in Versuchung komme, ein Bild zu stechen. Ein echtes Bild, meine ich. Nicht diese kleinen Brandzeichen von Narben und Junkies. Kunst, meine ich. Bei Gott, ich hoffe, ich muss nie […]

Grotesk – Teil VII: Eingebildet

Seine eigenen Gedanken waren der einzige Rückzugsort, der Wagner geblieben war. Seine Stimme und selbst seine eigenen Augen hatten ihn verraten. Davon war er überzeugt. Sie verrieten ihn mit jedem Satz, den er sprach und der über irgendein Mikrophon aufgenommen wurde, über irgendeinen Bildschirm transportiert wurde. Aber solange er nicht sprach, solange er sich vollständig […]

Grotesk – Teil VI: Abgerissen

Die Polizisten ließen ihn in seine Wohnung, nachdem Wagner ihnen seinen Personalausweis gezeigt hatte. Sein Name stand am Klingelschild. Alles hatte seine Ordnung. Sie besaßen sogar den Anstand und die Nachsicht, ihn erst für einige Minuten in Ruhe zu lassen. Ihn durch das Chaos in seiner Wohnung waten zu lassen. Sie war vollständig zerstört. Irgendjemand […]

Grotesk – Teil V: Zerschlagen

Der Himmel stand in Flammen und mit ihm Johann Wagners Schädel. Der Smog, die Gifte in der Luft, wurden in Rot getaucht. Die Schatten wurden länger und dicker, bevor sie endgültig die Nacht erobern würden. Ein sich anbahnender Sonnenuntergang, ein ganz gewöhnlicher, der Wagner trotzdem in Verwirrung stürzte. Sein Schädel hämmerte, unbestimmte Kopfschmerzen verweigerten ihm […]

Grotesk – Teil IV: Eingesperrt

Sein Spiegelbild starrte ihn aus der Finsternis heraus an. Wagner starrte zurück, regungslos. Er atmete, gepresst und angestrengt. „Was wollen Sie?“, fragte er. Die verzerrte Stimme aus dem Telefon lachte, gluckste mehr. Es war ein bitteres, morastiges Geräusch. Als würd der Ton aus großer Tiefe sich langsam, unendlich langsam, einen Weg zur Oberfläche bahnen durch […]

Grotesk – Teil III: Besetzt

  Das Klingeln seines Telefons riss Wagner aus seinen Gedanken. Er fuhr sich über die müden Augen, blinzelte. Es war Nacht geworden, spät in der Nacht. In seiner Wohnung war es finster, bis auf das leuchtende Rechteck seines Computermonitors und das bebende Licht seines Mobiltelefons. Er hatte gar nicht bemerkt, dass er wieder Stunden vor […]