Muster – Teil X: Wie ein Tier

Markus folgte der Spur aus Ratten, die durch die Dunkelheit huschte. Es waren unauffällige Tiere, jedenfalls in der Dunkelheit.
Er fühlte sie, am Rand seines Bewusstseins, ganz dumpf und undeutlich. Aber sie führten ihn zu dem Paar, das vom Ungeziefer in einigem Abstand umschwärmt wurde. Sie waren sein eigentliches Ziel und die Nager nur ein Werkzeug, um es nicht aus den Augen zu verlieren.
Dem Mann ging es schlecht. Er war langsam. Es fiel Markus leicht, den beiden zu folgen, ohne sie aus den Augen zu verlieren oder näher heran kommen zu müssen. Zwar sah er sie nur undeutlich, wenn sie alle paar Minuten in den Lichtkegel einer Straßenlampe eintraten und in das orangene Licht der Straße getaucht wurden, nur um dann wieder im Halbdunkel zu verschwimmen.

Aber sie liefen sehr langsam. Ein Weg, der nur sonst eine halbe Stunde gebraucht hätte, streckte sich auf das doppelte der Zeit. Die Frau stützte den Mann und hielt einen Arm um ihn geschlungen. So als fürchtete sie, dass er jeden Moment fallen und niemals wieder aufstehen könnte.

Sie nahmen einen langen Weg. An den Bahngleisen entlang, die das Viertel in zwei Teile schnitten, bis weiter nach Osten. Dorthin, wo der Bahndamm sich langsam dem Ostbahnhof näherte und sich zu ebener Erde absenkte, um einige Kilometer weiter schließlich ganz im Untergrund zu versinken. Sie nahmen die Brücke über die Gleise, an der Umgehungsstraße entlang, wo selbst um diese Uhrzeit noch die Autos zu dutzenden an ihnen vorbei kamen.
An den leerstehenden Sovietbauten vorbei, den hässlichen Massenwohnungen, in denen nur noch Menschen wie Markus lebten. Menschen, die sonst nichts hatten und die sich in Ruinen ohne Fenster niedergelassen hatten, um wenigstens dem ärgsten Regen zu entkommen. Menschen von denen selbst der Verfolger mit den Ratten sich sein ganzes Leben auf der Straße fern gehalten hatte. Es waren zu viele davon, die Häuser zu unübersichtlich, zu oft wechselten die Bewohner. Man konnte sich auf niemanden verlassen. Auch wenn die Stadt sie angeblich seit Jahren abreißen und etwas anderes an ihre Stelle setzen wollte – man ließ diese notdürfte Siedlung stehen, wohl um den Unrat der Stadt an einem Ort sammeln zu können. Das war besser, als ihn überall zu verteilen.

Ihr Ziel lag dahinter.

Es war der alte Teil des Viertels, dort wo sich die sogenannte „Altstadt“ des Viertels befand. Ein Kaff, das selbst vor hundert Jahren kaum mehr als drei Schafe und einen Bauernhof gezählt hatte. Zu einer der größten Wohnsiedlungen des Landes war die Gegend erst in den 80ern geworden, mit dem letzten großen Bauprojekt der Ostregierung.

Markus sah, wie das Paar in eine Nebenstraße einbog. Teile der Altstadt hatten offenbar überlebt, genau wie die Dorfkirche nur eine Straße weiter standen hier und dort im Viertel verteilt noch Bauernhäuser oder ältere Gemäuer. Das Haus, auf das seine Ziele zuwankten, war so eines: Ein winziges Ding, eingequetscht zwischen den Bahnhof Geehrensee, drei Hochhäuser und ein Meer aus Stahlbeton, drängte es sich auf ein kleines Hügelchen am Rand der vierspurigen Hauptstraße. Die selbe Hauptstraße die sechs Kilometer durch das gleiche Viertel führte, bis zum Tierpark.
Markus wunderte sich, dass es ihm noch nie zuvor aufgefallen war, obwohl dieser Teil der Stadt gar nicht so weit weg von seinem lag und er einige Male hier gewesen war. Nicht weit von hier gab es ein paar Parks, groß und schön mit Seen in der Mitte, in denen sich der Sommer besser aushalten ließ als zwischen all den Häuserschluchten, in denen die Hitze stand.

Das Paar zögerte nicht eine Minute auf ihrem Weg. Sie mussten also gelogen haben, als sie behaupteten, den Mann noch nie gesehen zu haben, für den sie getötet hatten. Sie bewegten sich langsam durch das Loch in der Bruchsteinmauer und den kleinen Vorgarten, aber sicheren Schrittes. Sie öffneten die Tür des Häuschens gerade, als Markus sich hinter die Mauer am Eingangstor duckte.
Die Lüge hätte ihn nicht weiter wundern sollen… überraschte ihn aber dennoch. Trotz vorgehaltener Waffe hatten Sie diesen Mann verteidigt und beschützt, den sie kaum zu kennen behaupteten und angeblich nicht kontaktieren konnten.
Worüber hatten sie noch gelogen?

Licht schaltete sich im Inneren an und Markus konnte die Umrisse des Häuschens besser erkennen. Ein altes Fachwerkhaus, mit Stroh gedecktem Dach, mit schwarzen Balken und einer knorrigen Eiche davor. Ein Hexenhäuschen, mitten in der Großstadt. Neben dem Eingang hing ein schwarzes Brett, ein kleiner Glaskasten, der das Gebäude als Versammlungshaus für die Umgebung auswies.
Das Licht war auf der Seite angegangen, die von der Straße weg führte. Es fiel aus einem dieser alten Doppelfenster, durch die es bei jedem Windhauch zog.
Markus kroch darauf zu, geduckt im Schatten, ganz langsam, um keinen Mucks von sich zu geben. Leise, wie eine Maus.

Das Zimmer, das dahinter lag, war karg eingerichtet. Es schien eine Art von Bibliothek zu sein, mit ein paar Regalen an den Wänden, die halbherzig mit Büchern bestückt waren, und einer Reihe kaum zusammen passender Liegen und Stühlen unterschiedlichster Farben und Stile.
Außer dem Mörderpaar befand sich nur eine weitere Person darin. Ein junger Mann. Ein halbes Kind in Markus‘ Augen, gerade einmal Mitte oder Ende Zwanzig. Trotzdem hatten sich tiefe Linien in sein Gesicht gegraben, die von Schuld und Elend zeugten. Als hätte er mehr als nur diese paar Jahre seines Lebens zu schultern. Markus fand ihn blass und dürr.
Es war einfach nur ein Mann. Ein junger Mann, der keinerlei Ähnlichkeit zu dem Monster besaß, dem Markus diente oder das er bereits so stark in sich spürte, dass er Menschen die Kehle heraus beißen wollte.
Einfach nur ein Mann.
Er konnte seine Augen nicht genau sehen aus dieser Entfernung, nicht, wenn Markus selbst verborgen bleiben wollte. Aber auch sie wirkten gewöhnlich auf ihn, vielleicht mit besonders tiefen Augenringen ausgestattet, aber ganz gewöhnlich.

Der junge Mann sprach nicht viel. Er saß auf einem der bequemeren, größeren Sessel, ein Buch in seiner Hand, in dem er wohl beim Licht einer kleinen Leuchte gelesen hatte. Das Paar redete auf ihn ein. Das heißt die Frau redete auf ihn ein, der Mann sah einfach nur elend aus. Ganz weiß war er im Gesicht, als wäre alles Blut aus seinem Kopf in den Verband geflossen, der sich ihm um die Brust schlang.

Sie sprach nicht sehr laut und Markus verstand nur die Hälfte von dem, was sie sagte. Er musste sich darauf konzentrieren, seine Ohren spitzen und ganz nah mit den Ohren an die Ritzen der Fenster gehen. Die Ratten, mit denen er weiterhin verbunden blieb über diese psychische Verbindung in seinem Geist, störten ihn dabei. Es war wie ein andauerndes Schnattern oder Tuscheln, das ihn direkt umgab. Nur, dass er keine Worte verstehen konnte, sondern nur Konzepte auf ihn einstürmten, Ideen, die ihm fremd waren oder weniger fremd, je nachdem wie animalisch, wie komplex oder primitiv sie waren.

Er konzentrierte sich und fand, dass es ihm leichter fiel, sich auf die menschliche Sprache in dem Zimmer zu konzentrieren, wenn er diese Verbindung kappte. Er konnte keine Befehle darüber erteilen, nicht telepathisch oder anderweitig, ohne direkt in die Augen der Ungeziefer zu sehen. So viel hatte er in den letzten Tagen heraus gefunden. Aber er war, wenn er diese Verbindung einmal geschaffen hatte, sich der Ungeziefer „bewusst“. Er konnte fühlen, wo sie sich bewegten, als ob sein Geist den ihren noch immer berührte und an einer Art von Leine hielt. Selbst jetzt in diesem Moment konnte er fühlen, dass sie das Haus umzingelten, in dem sich seine Beute befand – so, wie er es ihnen eingeprägt hatte. Selbst, wenn er nicht sehen konnte, wa sie sahen, oder diese Befehle überschreiben konnte, spürte er die Leine in seiner geistigen Hand, an der die Tiere zerrten.

Diese Verbindung konnte er auflösen, ihnen die Zügel schießen lassen. Er tat es und seine Aufmerksamkeit wanderte zu der Unterhaltung zwischen seinen Mördern und ihrem Auftraggeber zurück.

Die Frau hatte ihren Partner mittlerweile auf eine Liege gelegt. Er schien kaum noch bei Bewusstsein und musste in schlechter Verfassung sein. Die Jacke, die sie ihm gegen die Kälte übergeworfen hatte, war ihm von der Brust gerutscht. Markus konnte einen Teil der Haut erkennen, die scharlachrot geworden war und offenbar in Fetzen hing. Nur noch der Verband schien sie zusammen zu halten. Er war zu eng angelegt worden und schnitt ins Fleisch, das darunter angeschwollen war. Der Gestank musste grässlich sein, jetzt wo sich das Miasma im Zimmer ansammeln konnte, ohne vom Wind auf der Straße vertrieben zu werden, denn der Verband sonderte sichtbar Eiter ab.

Der Mund eines Menschen war mit das schmutzigste, was man sich vorstellen konnte. Heutzutage wäre die Infektionsgefahr durch natürliche Bakterien größer als durch Krankheiten, jedenfalls bei einem Biss. Ohne Antibiotika, ohne ärztliche Untersuchung? Da endete jeder dritte Fall mit der Amputation von Gliedmaßen. Und bei dem hier hatte Markus den Hals und den Nacken erwischt und einen faustgroßen Brocken heraus gerissen.
Viel gab es da nicht zu amputieren.

„Ihr solltet ihn töten“, sagte der blasse Mann schlicht. Er stand mit dem Rücken zu Markus, hatte die Hände in die Hüften gestemmt und betrachtete den Sterbenden, der in sein Haus geschleppt worden war.
Seine Stimme überraschte Markus. Sie war sanft, melodisch. Wie von einem Mann, der Sprache gewöhnlich benutzte, um zu verführen, um zu unterhalten – nicht um zu morden.
„Nicht beinahe töten, nicht anschießen, nicht verbluten lassen. Töten.“

„Haben wir!“, sagte die Frau. Sie blickte nur den Mann an, dem sie mit einem kühlen Tuch die Stirn tupfte. Die Verzweiflung stand ihr ins Gesicht getrieben, wie von Hammer und Meißel in Stein gegraben. „Klaus hat ihm sechs Kugeln verpasst beim ersten Mal und ihn mit dem Messer erwischt. Wir haben den halben Tag gebraucht, um all das Blut aus seiner Kleidung zu waschen. Er war tot!“
„Und sechs Tage später steht der Tote bei euch im Appartement und fällt deinen Freund hier mit Zähnen und Klauen an.
Wie ein Tier“, sagte der Unbekannte.

Die Frau schüttelte den Kopf. Markus fiel auf, dass sie den Blick des Mannes mied. Wenn sie die Augen von ihrem Partner abwandte, wanderten sie nur bis zum Kinn des Mannes, der über ihr und ihrem Partner türmte. In die Augen sah sie ihm aber nie.
„Nicht wie ein Tier“, sagte sie. „Jedenfalls wie keines, das ich je gesehen hab.“
„Und du hast ihn erschossen?“, fragte er.
„Angeschossen“, sagte sie. „Glaub nicht, dass die eine Kugel mehr mehr als die andern sechs angerichtet hat.“

Eher weniger, dachte Markus und rollte unwillkürlich die Schultern nach hinten. Er hatte einen blauen Fleck davon getragen, zwischen den Schulterblättern, der bereits beinahe wieder verheilt war. Die anderen Kugeln hatten ihn zumindest für ein paar Tage aufgehalten, so viel wusste er mittlerweile.

„Scheint, als würde er Kugeln besser als dein Freund vertragen“, sagte der Mann.

Sie schoss ihm einen Blick zu, der bösartig hätte sein können – hätte sie die Augen nicht sofort wieder gesenkt. Ganz ruckartig, als ob sie sich den Blick versengt hätte. Dann holte sie einen Umschlag aus dem Rucksack zu ihren Füßen. Markus‘ Umschlag, den er von Roland erhalten hatte. Beinahe hatte er vergessen, dass es den gegeben hatte. Die Namen von einer Reihe von Verschwundenen, ihre Adressen und Verwandten befanden sich darin. Wenn der Mann sie getötet hatte… was wollte er dann noch mit der Liste?
Einen Augenblick zögerte sie noch.
„Das hier wolltest du doch, oder? Deswegen hast du uns… uns befohlen, ihn zu töten und das hier zu stehlen.“

„Das ist nutzlos, solange der Bote noch lebt“, sagte der Auftraggeber.
Er sah das Zögern in ihren Augen, sah diesen kurzen Augenblick, den sie zögerte, nachfragen wollte, und sich dann eines besseren besann. Besser, nicht zu viele Fragen zu stellen. Das hatte sie bereits einiges gekostet.
„Der Mann, den ihr nicht töten konntet, war nicht selbst bedeutend. Nicht bis er wieder auferstanden ist. Er war der Bote einer wichtigeren Person und ich wollte Botschaft und Boten gleichzeitig loswerden.“

Der Unbekannte blätterte die Liste durch, die er erhalten hatte. Markus‘ Liste, die er selbst noch gar nicht lange genug in den Fingern gehabt hatte, um sie sich ausführlicher anzusehen. Ein kurzer Blick im „Adler“, als Markus sie überreicht bekommen hatte, war alles gewesen. Der Mann schwieg und Markus hielt den Atem an. Hatte er etwas übersehen? Was war an der Liste so verdammt wichtig?

„Wir haben uns an unsere Abmachung gehalten. Er war tot, für sechs Tage, und hier ist seine Botschaft. Seine Wiederauferstehung ist nicht mein Problem.“
„Ich habe euch bereits bezahlt.“
Seine Stimme war zu einem Flüstern herab gesunken, das Markus kaum noch verstand. Näher und näher presste er sich an das Glas und fürchtete, es würde unter ihm zerspringen.
„Mit dem Geld eines Anderen?“ Die Frau lachte bitter. Sie legte eine Hand auf die glühende Stirn ihres Freundes. „Du hast nicht genug hierfür bezahlt“, sagte sie.
Markus war fast soweit, sie zu bewundern. Sie verhandelte bis zum Schluss.

Der Mann schien weniger beeindruckt. Er schütte den Kopf, packte sie beim Handgelenk. Er war starl, schnell, wie eine Schlange. Sie schlug der Länge nach auf das Parkett, zu seinen Füßen, er hielt den Umschlag in seinen Händen,. Er war nicht einmal außer Atem.
Mit raschen Blicken ging er die Papiere darin durch, zählte das Geld und schnaubte als er sah, wie viel sie ausgegeben hatten. Wortlos warf er ihr die Scheine hin, und las die Namen.

„Vollkommen wertlos“, sagte der Mann schließlich und zerknüllte die Liste. Er begann, durch den Raum zu tigern, auf und ab zu gehen. Unvermittelt streifte sein Blick das Fenster, unter dem sich Markus versteckte. Er sackte nach unten, so schnell er es konnte. Sein Herz drohte, ihm aus der Brust zu springen. War er gesehen worden, hatte der Unbekannte die Bewegung aus den Augenwinkeln bemerkt?
Das wäre es für ihn gewesen.

Markus verfluchte sich. Er war vorsichtig gewesen, aber nicht vorbereitet. Er hatte das mörderische Paar verfolgt und sich am Rand gehalten… und sich darauf verlassen, dass er unentdeckt bleiben würde. Er war unvorbereitet darauf, erneut in das Geschehen einzutauchen. So unvorbereitet wie vor einigen Tagen im Appartement. Keine Waffen hatte er dabei, keine Freunde benachrichtigt, weil er keine besaß. Er besaß nichts, als seine seltsamen Kräfte und diese unnatürliche Zähigkeit, die ihm ein ums andere Mal das Leben gerettet hatte.
Und er bezweifelte, dass ein halbes Dutzend Ratten ihm im Kampf mit diesem Kerl helfen würden.
Er begann, von dem Fenster fort zu kriechen, auf allen Vieren in den Schatten gedrückt, beide Hände im Matsch.
Wie ein Tier.

„Die ganzen letzten Wochen waren verschwendete Zeit. Schlimmer als das. Der Knabe ist euch auf der Spur. Ist mir auf der Spur“, hörte Markus den Mann sagen. Der bewegte sich leise, wenn er sich denn noch bewegte. Die Diehlen knarrten nicht. Das war Markus gar nicht aufgefallen, als er ihn beobachtet hatte.
Die Stimme der Frau antwortete ihm. Sie klang garstig, aggressiv. Wie ein in die Enge getriebenes Tier. Eine natürliche Reaktion, angesichts ihrer Lage. Eine, die Markus nur zu gut nachvollziehen konnte. Er hätte ebenfalls ausgeschlagen.
„Und wenn schon? Klaus stirbt. Bald gibt es nicht mehr viel für ihn zu finden.“
Er musste der Frau einen Blick zu geworfen haben, der giftiger als Galle gewesen war. Sie wimmerte hörbar, obwohl kein Geräusch zu hören gewesen war. Kein Klatschen von Fleisch auf Fleisch, kein Reißen von Stoff. Nur ihr Wimmern, das rasch in Flehen überging.
„Wenn er euch auf der Spur ist, hat er mich bereits gefunden“, sagte der Mann in einem ruhigen, bestimmten Tonfall, der eine Klinge verbarg. Die nüchterne Feststellung eines unangenehmen Sachverhalts. „Ich sterbe schließlich nicht und das soll noch eine ganze Weile so bleiben. Länger jedenfalls, als du es dir vorstellen kannst. Eure Unfähigkeit gefährdet diesen Plan.“

Markus erstarrte, beide Hände im Dreck und halb vornüber gebeugt.
Er hörte ein Würgen aus dem Raum hinter sich, ein dünnes, kaum wahrnehmbares. Als ob eine Kehle gepackt und gewaltsam gequetscht würde. Ihre Kehle. Die Kehle seiner Mörderin. Oder der Komplizin seines Mörders.
Seine Gedanken rasten. Wenn sie starb… War er jede Spur los. Dann hatte er nur noch diesen Mann, diesen Unbekannten in diesem unbekannten Haus, der innerhalb von Minuten danach verschwinden würde, so schnell wie er gekommen war. Er hätte keinen Namen… nichts. Nicht einmal seine Rache an ihr.

Könnte Markus sie sterben lassen? Sein Atem stockte und er glaubte, sein Herz würde aussetzen. Es war ganz ruhig, so ruhig, dass er glaubte, es hätte das Schlagen vergessen. Ein Griff schnürte ihm die Brust zu, der demjenigen in nichts nachstand, den der unbekannte Auftraggeber um den Hals der Frau hielt.
Ihr Freund hatte das Bewusstsein verloren. Er lag auf der Liege, reglos unter ihr. Sie war von ihrem Platz gerutscht, kniete halb und wurde halb von dem Unbekannten am Genick empor gehalten.
Sein Blick war Feuer, das kalt in der Seele brannte.
In Markus‘ Seele, die er direkt anzusehen schien.

„Nun, Herr Auferstandener?“
Die Stimme schnitt Markus ins Fleisch. Sie hatte sich nicht über die Lautstärke höflicher Konversation hinaus erhoben. Aber sie war schneidend, geradezu sezierend.
Aber er hatte keinen Zweifel daran, dass der Junge ihn direkt ansehen würde. Durch die Wände hindurch. Diese Augen… diese Augen konnten durch alles sehen.
„Wollen Sie herein kommen oder weiterhin wie ein Schnüffler unter meinem Fenster hocken? Es ist ihre Entscheidung, wirklich, doch ich zöge eine zivilisierte Unterhaltung vor. Ich glaube, sie haben einige Fragen und Antworten für mich…“

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